Historie

Der Ort Piusheim, dessen historische Wurzeln im Ort Obermühle liegen, befindet sich fünf Kilometer südöstlich vom Ort Glonn. Das Moränengebiet, welches sich durch ein Schmelzwassertal des früheren Inngletschers entwickelte, fügt sich zwischen Wiesen, Mooren und Wäldern idyllisch in die Landschaft des voralpinen Raumes. Der Blick gegen Süden wird von den bayerischen Alpen mit dem Wendelstein dominiert. Ihre strategisch und wirtschaftlich interessante Lage verdanken der Ort Piusheim und das Glonntal im Allgemeinen dem Fluss Glonn, dessen Name vom keltischen Wort „Glana“ abgeleitet wird und soviel bedeutet wie „die Klare“ oder „das Tal“.  26 Kilometer schlängelt sich der Fluss durch das Glonntal, um bei Bad Aibling Teil der Mangfall zu werden. 

Historie des Ortes

Historie

Zahlreiche Funde im Moorgebiet des Glonntals belegen, dass die Region bereits in der Jungsteinzeit besiedelt war. In dieser Epoche der Menschheitsgeschichte entwickelte sich der Mensch vom Jäger und Sammler zum sesshaften Bauern. Dass man sich ausgerechnet im Glonntal niederließ, dürfte wohl an dem Leben spendenden Wasser der Glonn gelegen haben. Aufgrund von fehlenden Grabungen in und um Piusheim, vormals Obermühle, müssen hier zeitliche Angaben offen bleiben, jedoch lässt die Geschichte auch hier frühe Besiedelungen vermuten.
Erste dokumentierte Erwähnung erfährt der Ort als Ministeriale aus Freising Land erwerben. 1140 scheint Konrad von Bretzen als erster Besitzer auf. Ihm folgt 1147 Rüdiger von Bretzen und 1162 Heinrich von Bretzen. In der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts gehen ihre Besitzungen an das Kloster Weihenstephan.

Erste Bauern finden im 16. Jahrhundert mit Hans Daniel und Georg Singer Erwähnung. Sie bewirtschafteten für das Kloster Weihenstephan eine Hube. Die Obermühle, ehemals „Pretzen muol“, kann 1229 zum ersten Mal belegt werden. Um 1417 lässt sich im Ort eine zweite Mühle, genannt „Mittermul“, festmachen. Bis 1905 wird der Ort vorwiegend von der Landwirtschaft und den genannten Mühlen geprägt.

Piusheim ab 1905

Historie1905 brach für den Ort eine neue Ära an. Der 1852 in München gegründete „Verein für Erziehung verwahrloster Jugend“ erwarb in diesem Jahr das Gut Obermühle, um eine Anstalt für die „verwahrloste und bestimmungslose“ Jugend zu gründen. Die Jugendlichen sollten im Sinne der christlichen Familie erzogen und landwirtschaftlich wie auch handwerklich ausgebildet werden. Um die rund 220 Kinder und Jugendlichen versorgen und ausbilden zu können, musste der Besitz stetig erweitert werden. 1906 erwarb der Verein den Singerhof am Bretzenbuckel, 1908 die zum Gut Obermühle gehörige Mühle, 1909 das Bauernsacherl „zum Moosgeiger“ und 1910 das Schweigeranwesen und die Mittermühle.

Der Verein war nun im Stande seine Zöglinge in der Mühle, dem Sägewerk, der Landwirtschaft, der Metzgerei, der Bäckerei sowie den Schreiner-, Schneider-, Schuster-, Schmiede-, Wagner-, Maler- und später auch Elektro- und Maschinenbauwerkstätten auszubilden. Das Heim konnte sich somit nahezu selbst versorgen. Sogar die Stromversorgung wurde durch zwei Wasserwerke völlig autark bewerkstelligt.
Mit der Unterstützung des Prinzregenten Luitpold konnte im Frühjahr 1912 mit dem Bau eines Anstaltsgebäudes unter der Leitung des Architekten Hans Steiner und des Regierungsbaumeisters Hans Hintermayer begonnen werden.

Der Bau mit Kapelle, Hallenschwimmbad und Brauseanlage entsprach den modernen Anforderungen des frühen 20. Jahrhunderts und wurde in Fachkreisen als „übermodern“ bezeichnet.
Zwischen 1967 und 1971 wurde das Jugenddorf errichtet. Diese Bauten entsprachen der modernen Erziehungsarbeit und sollten den Jugendlichen eine familiäre Wohn- und Lebensgemeinschaft näher bringen.